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Gruppenfoto ©Mario Stiehl
Anlässlich des Trainingslagers vom Team Wiesenhof-Akud im Aparthotel Coral de Mar in Alcudia haben wir uns mit dem Teammanager Jens Heppner unterhalten. „Heppe“ fuhr 32 Jahre lang Radrennen, 15 davon als Berufsfahrer. Seit Januar 2006 ist er als Teammanager tätig.
Jens, was sind deine Hauptaufgaben als Teammanager bei Wiesenhof-Akud?
Ich bin für die Organisation, die Logistik, die Trainingslager, Flüge, das Rennprogramm der Rennfahrer sowie Sponsorenbetreuung
zuständig. Mein Kollege Raphael Schweda kümmert sich um die Finanzen, die rechtlichen Dinge, was Verträge betrifft. Was die
Verhandlungen um die Verträge der Fahrer betrifft, sind wir beide eingebunden.
Das hört sich nach viel Büroarbeit an, bleibt da noch Zeit sich selbst aufs Rad zu setzen?
Auch wenn wir nur 16 Fahrer in unseren Reihen haben füllt dieser Job mich richtig aus. Wenn die Zeit es mir erlaubt trainiere ich.
Nach so vielen Jahren als aktiver Radfahrer kann man nicht von heute auf morgen aufhören. Dies wäre auch nicht gut für die
Gesundheit. Ich muss jetzt einige Jahre abtrainieren.
Du bist 15 Jahre Radprofi gewesen und hast in dieser Zeit viel erlebt. Was waren die schönsten Momente für dich in all
den Jahren?
Da fällt mir spontan das Jahr 1997 ein. Damals hat Jan seine erste Tour de France gewonnen und ich bin im Team Telekom als Helfer
dabei gewesen. Da ist man schon mächtig stolz, wenn man nach all dieser Schinderei auf die Champs-Elysees einbiegt. Mein Etappensieg
bei der Tour, mein 10. Platz in der Gesamtwertung der Tour de France, der Titel als deutscher Meister, den Henninger Turm, den ich dreimal
als Zweiter beendete, das waren tolle Momente.
Ach ja, und natürlich im Jahre 2002 die zehn Tage, die ich in Rosa beim Giro
fuhr.
Wirst du im Laufe der Saison denn auch bei einigen Rennen im Auto sitzen?
Nur bei den Höhepunkten wie Deutschland-Tour, Henninger Turm, Rund um Köln, beim Protour-Rennen Vattenfall, die frühere HEW-
Classic in Hamburg.
Ihr habt erfahrene Rennfahrer wie Torsten Schmidt, Lubor Tesar, Steffen Radochla, Gerhard Trampusch, sowie Tomas Konecny in der
Mannschaft. Welche Aufgaben kommen auf diese Fahrer zu?
Torsten Schmidt soll die Rolle übernehmen, die ich die beiden letzten Jahre beim Team Wiesenhof ausgeführt habe. Er soll den
jungen Fahrern mit Tipps zur Seite stehen und ihnen seine Erfahrung weitergeben. Er trifft im Rennen Entscheidungen ohne Rücksprache
mit den sportlichen Leitern, da er die Erfahrung und die Kompetenz dazu besitzt. Teilweise übernimmt Lubor Tesar die gleiche Rolle.
Seine Hauptziele werden die Klassiker in Belgien Anfang der Saison sein. Trampusch und Konecny sollen bei den Rundfahrten glänzen.
Beide sind bereits in Pro-Tour Teams gefahren und haben die notwendige Erfahrung hierzu. Steffen Radochla soll neben Gerald Ciolek
für Sprinterfolge sorgen. Dass Radochla dies kann, hat er bereits in seinen ersten Jahren als Radprofi bewiesen. Ich hoffe, dass der
Knoten nun nochmals bei ihm platzt.
Ihr habt in eurer Mannschaft viele junge Fahrer im Alter von 19-23 Jahren. Was erwartest du von diesen?
Die jungen Fahrer haben erstmal ihre eigene Trainingsgruppe. Sie sollen erstmal integriert und geformt werden. Ich bin mir sicher, dass
wir mit einigen von ihnen noch viel Spaß haben werden und Erfolge feiern können.
Welche Nachwuchsfahrer sind besonders talentiert?
Tim Klinger ist in meinen Augen ein Riesentalent. Er kann am Berg wirklich stark fahren, da er den Körperbau hierzu hat. Er hat bei
den U23 bereits mehrmals auf sich aufmerksam gemacht. Seine Testergebnisse hier auf Mallorca versprechen einiges. Carlo Westphal, der
letztes Jahr 4. bei der Weltmeisterschaft der U23 wurde, ist ein guter Allrounder. Er hat im Rennen ein gutes Auge und viel Potenzial. Und
dann haben wir noch den aktuellen deutschen Meister Gerald Ciolek.
Einen Fahrer möchte ich aber nicht vergessen, und zwar Marcel Sieberg. Er hat letztes Jahr bei vielen Rennen bewiesen, dass er schon
in der Lage ist, bei einigen Rennen mit den ganz großen Profis mitzuhalten. Beispielsweise gewann er den holländischen Klassiker,
die „Ronde von Trente“, welchen man teilweise mit Paris –Roubaix vergleichen kann.
Wozu ist Gerald Ciolek fähig?
Dass Gerald ein Riesentalent ist, hat er bereits unter Beweis gestellt. Ich scheue den Vergleich mit Erik Zabel nicht. Er ist ein
Allrounder, kann auch am Berg besser fahren als die meisten vermuten. Hier auf Mallorca hat er uns dies bei den Ausfahrten durch die Berge
gezeigt. Man sollte nicht vergessen, dass dieser Fahrer letztes Jahr noch seine Lehre beendet hat und lediglich 17.000 km gefahren ist. Da
steckt unheimlich viel Potenzial dahinter. Man muss ihm nur Zeit geben, der Junge ist gerade 19 Jahre alt. Er hat bereits einen gewissen
Druck durch die Presse. Man erwartet viel von ihm, was ihm jedoch noch nicht so bewusst ist.
Seine Tests, die wir hier auf Mallorca gefahren sind, versprechen viel für die Zukunft.