Anlässlich der Mallorca-Rundfahrt haben wir uns mit den Schleck – Brüdern unterhalten. Fränk fuhr 2005 eine großartige Saison, die er als 13. der Pro-Tour Gesamtwertung beendete. Er beendete die Mittelmeer-Rundfahrt an 2. Stelle hinter seinem Teamkollegen Jens Voigt. Er wurde 7. bei Paris-Nizza, 4. der Tour de Suisse, 2. bei der Meisterschaft von Zürich, 2. bei der Copa d’Emilia und 3. bei der Lombardei-Rundfahrt. Den luxemburgischen Meistertitel holte er sich im Juni. Sein Bruder Andy, der als großes Talent für die Zukunft gilt, bestritt mit 19 Jahren sein erstes Jahr als Radprofi. Er belegte bei den 4 Tagen von Dünkirchen den 8. Platz, beim Grossen Preis von Wallonien den 6.Platz und machte mit vorderen Etappenplätzen bei der Giorgia- Rundfahrt, die er als 14. beendete (Lance Armstrong 3.) und dem Etappenrennen Ster Elektro auf sich aufmerksam. Seinen ersten Titel als Landesmeister holte er sich im Zeitfahren.

Fränk, du liegst momentan an 6.Stelle der Mallorca-Rundfahrt mit nur 28 Sekunden Rückstand auf den Führenden. Fährst du am Donnerstag bei der letzten Etappe auf den Gesamtsieg?
Nein, dieses Rennen gilt für mich als Vorbereitungsrennen. Meine Höhepunkte liegen woanders in der Saison. Es ist jedoch angenehm, bei gutem Wetter in einem großen Feld, mit vielen guten Fahrern Rennen zu fahren.
Andy Schleck: Für mich ist dies ebenfalls ein Vorbereitungsrennen ohne Ambitionen.

Welche Rennen werden eure Saisonhöhepunkte sein?
Fränk: An erster Stelle steht die Tour de France. Ich werde dort neben Carlos Sastre, zum wichtigsten Helfer für meinen Leader Ivan Basso. In den Alpen und Pyrenäen erwarteen die Mannschaft und Ivan viel von mir. Bei Paris-Nizza, würde ich gerne unter die ersten fünf fahren, falls mir meine Form es bis dahin erlaubt. Lüttich-Bastogne-Lüttich habe ich im Kalender ebenfalls rot angekreuzt.
Andy: Ich möchte im Mai erstmals bei der Giorgia-Rundfahrt glänzen. Dieses Rennen liegt mir, da es sehr bergig ist. Dort möchte ich auf einen Etappensieg und einen guten Platz in der Gesamtwertung fahren. Anfang Juni, möchte ich von der guten Form profitieren und bei der Luxemburg-Rundfahrt gut aussehen. Im September, wird die Tour de l’Avenir mein großes Ziel sein. Dort werde ich mit großen Ambitionen auf die Gesamtwertung fahren.

Euer Teamkollege Ivan Basso ist einer der großen Favoriten auf den Gesamtsieg bei der Tour de France. Traut ihr ihm den Sieg zu?
Fränk: Auf jeden Fall, Ivan muss gewinnen. Ullrich traue ich den Sieg nicht mehr zu. Vinokourov ist immer gefährlich und wird sehr zu beachten sein. Valverde und Popovych sind für mich ebenfalls Kandidaten auf den Gesamtsieg.
Andy: Nachdem Ivan einmal zweiter und einmal dritter der Tour war, ist dieses Jahr der Sieg fällig. Für mich sind neben Ullrich, Levy Leipheimer und Floyd Landis ebenfalls Siegesanwärter.

Ihr habt beide 2005 eine erfolgreiche Saison erlebt. Verlief die Saison zu eurer Zufriedenheit?
Fränk: Auf jeden Fall. Mir hat nur noch ein weiterer Sieg gefehlt. Ich war oft nahe dran, doch hat mir auch ein wenig das Glück gefehlt. Ich bin erst 25 Jahre alt und habe in der vergangenen Saison wieder viel dazu gelernt. Mit etwas Glück und zusätzlicher Erfahrung, werde ich die nächste Zeit hoffentlich einen großen Sieg einfahren. Ich bin jedoch auch stolz, darauf die Meisterschaft gewonnen zu haben. Es ist mir eine große Freude, die luxemburgischen Farben im Feld zu vertreten. Schließlich fahre ich ja oftmals ganz vorne mit. Im Landesmeistertrikot wird man immer im Feld erkannt.
Andy: Ich bin für mein erstes Profijahr die allermeisten Rennen zu Ende gefahren. Durch die viele Arbeit, die ich für die Mannschaft geleistet habe, bin ich reifer geworden, da ich viel dazu gelernt habe.

Hast du als Neu-Profi Probleme mit dem hohen Rhythmus der Profis gehabt?
Andy: Ich habe mich gut und schnell daran gewöhnt. Am Anfang, war es vor allem die Umstellung auf die langen Distanzen.

Hättest du am Anfang der Saison mit den guten Resultaten gerechnet, die du eingefahren hast?
Andy: Nein, in Wirklichkeit hatte ich mir alles schwerer vorgestellt. Mit etwas mehr Glück hätte ich bereits einen Sieg feiern können. Den ersten Sieg möchte ich diese Saison holen.

Fränk, du fährst seit 2003 bei CSC, was macht den Erfolg über die gesamte Saison dieser Mannschaft aus?
Wir haben wirklich eine einmalige Atmosphäre in der Mannschaft. Dies beginnt beim alljährlichen Military-Camp, bis zum letzten Rennen der Lombardei-Rundfahrt. In unserer Mannschaft steckt unheimlich viel Motivation. Jedoch nicht nur bei den Rennfahrern, das gleiche gilt für die Masseure, Mechaniker, Fahrer usw. Bjarne Riis motiviert uns derart, dass wir Fahrer immer gut fahren wollen. Er gibt uns ständig das Gefühl, wenn wir gut gefahren sind, dass es noch ein wenig besser hätte sein können. Bjarne ist eine unheimliche Respektperson, ihn möchte kein Rennfahrer enttäuschen. Er baut die Mannschaft auf und stellt die Fahrer für die Rennen zusammen, dies kann niemand besser als er.

Wie sieht dein weiteres Programm für die nächsten Wochen aus?
Fränk: Am Freitag fliegen wir nach Hause, wo wir ca. 12 Stunden Aufenthalt haben werden. Denn geht es weiter nach Kalifornien, in ein zweiwöchiges Trainingslager mit der Mannschaft. Von dort aus fliege ich zum Rennen Paris – Nizza. Nach Paris – Nizza wieder nach Hause, wo ich dann 5 Wochen nicht mehr gewesen bin. Dies ist das Leben eines Rennfahrers….

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