Benuît Joachim
Nationalität: Luxemburger
Wohnsitz: Foetz, LUX
Grösse: 188 cm
Gewicht: 77 kg
Profi seit: 1999

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Joachim beginnt mit der Saison 2002 seine vierte Saison als Profi und seine vierte Saison beim USPS Team.

Benoit, Deine Stimme hört sich erleichtert an. Wie fühlst Du Dich nach den Strapazen der vergangenen drei Wochen?
Ich bin auf jeden Fall erleichtert. Die Anspannung ist doch sehr groß gewesen. Wir wußten alle, dass Lance gut in Form war und die Tour gewinnen wollte. Wir als Mannschaftshelfer müssen unseren Teil dazu beitragen. Ich bin müde, jedoch sehr zufrieden, dass wir die Tour gewonnen haben und ich nun mal ein paar Tage entspannen kann.

Wie schätzt Du Deine eigene Leistung ein?
Mein Ziel war es Paris zu erreichen, und meine Arbeit zur Zufriedenheit von Lance zu verrichten. Ich wußte bereits vor der Tour genau was mich erwarten würde. Ich gebe alles für meinen Kapitän und kann nicht auf meine eigene Kappe fahren. Mein persönliches Resultat ist nur zweitrangig. Es zählt eben nur Lance. Ich bin auf einer Etappe in einer Ausreißergruppe mitgefahren, worauf ich von Johan Bruynel zurückgepfiffen wurde. Er war der Meinung, ich wäre nützlicher an der Seite von Lance als in einer Ausreißergruppe.

Du bist im Jahre 2000 beim Toursieg von Lance Armstrong auch bereits dabei gewesen. Worin bestand der Unterschied zur diesjährigen Tour?
Es gab dieses Jahr nie Panik in unserer Mannschaft. Wir haben stets sehr souverän agiert. Dies hat unser Sportlicher Leiter, sowie Lance uns gegenüber auch oftmals zum Ausdruck gebracht. Unsere Mannschaft war dieses Jahr einfach stärker. Die Once Mannschaft um Beloki und Galdeano hätte auf einer Bergetappe ja mal eine Attacke ab dem Start durchführen können, um uns in Verlegenheit zu bringen. Dies ist nicht passiert weil sie gemerkt haben, dass wir zu stark waren. Wir haben das Feld ab den Pyrenäen gut kontrolliert.

Du hattest Dir im April die Hand gebrochen. Hattest Du nie Angst, dass es nicht mehr bis zur Tour reichen könnte?
Damals war die Moral natürlich schlecht gewesen. Ich konnte während einem Monat nur wenig trainieren. Ich bin zwar auf der Rolle oder auf der Strasse gefahren, dies ist jedoch nicht das Gleiche. Danach habe ich die Belastung kontinuierlich im Training und bei den Rennen gesteigert. Während des Dauhiné-Libéré habe ich gemerkt, dass meine Form wieder gut war. Anschließend bin ich ja dann auch für die Tour selektioniert worden. Vielleicht hatte ich dadurch bei der Tour mehr Reserven als vor zwei Jahren.

Was ist denn Lance Armstrong eigentlich für ein Mensch?
Ich fahre jetzt vier Jahre mit ihm in der Mannschaft und hatte noch nie Probleme mit ihm. Er hat viel Humor und bringt uns oftmals zum Lachen. Er behandelt auch jeden Mannschaftskollegen gleich, es gibt keine Unterschiede. Bei seinen Vorbereitungen ist er sehr professionell, so wie kein anderer. Nach außen wirkt er vielleicht nicht so. Die Tour wird jedes Jahr größer, es gibt immer mehr Menschen die etwas von ihm wollen. Wenn er aus dem Bus steigt laufen ihm hundert Leute mit einer Kamera hinterher oder wollen Autogramme haben. Hier gibt es halt Grenzen. In Momenten wo kein Rummel um ihn herrscht, ist er sehr zugänglich für die Leute. Er hat uns dieses Jahr, genau wie vor 2 Jahren, wieder ein gelbes Trikot mit einer persönlichen Widmung geschenkt.

Wie sieht Dein Programm für die nächsten Tage und Wochen aus?
Die kommenden Tage werde ich mich erstmal erholen und ausruhen. Am Mittwoch erfahre ich mein weiteres Programm für die nächsten Wochen. Ich weiß nur, daß ich wieder bei der Classica San Sebastian Ende August starten soll.

Dein Vertrag läuft Ende Saison aus. Gibt es hier bereits Neuigkeiten?
Nein, ich denke jedoch, dass die sich die nächsten Wochen regeln wird.

Benoit, ich danke Dir für die Informationen die Du uns die letzten Wochen hast zukommen lassen. Auf diesem Wege möchte ich Dir auch nochmals für Deine großartige Leistung gratulieren. Es gibt nur acht Rennfahrer, die die Möglichkeit haben Lance Armstrong auf dem Weg zum Sieg der Tour zu begleiten. Einer davon bist Du die letzten Wochen gewesen. Und darauf kannst Du wirklich stolz sein. Ich wünsche Dir alles Gute für Deine weitere Zukunft.

Guy

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