Daniel BeckeDaniel Becke hat mit 25 Jahren bereits viel in seiner Radsportkarriere erreicht. So wurde er 1999 in Berlin Weltmeister mit dem Bahnvierer und er gewann im Jahre 2000 in Sydney, wiederum mit dem Bahnvierer, olympisches Gold. Ab 2001-2003 fuhr er bei Coast als Profi auf der Straße, bevor er, bedingt durch die Insolvenz bei Coast, zum Team Bianchi stieß. Er fuhr im vergangen Jahr als Helfer an der Seite von Jan Ullrich bei der Tour de France. Im Jahre 2004 fährt er für die neue Mannschaft Illes Balears-Banesto. Anlässlich seines Trainingslagers bei uns haben wir uns mit ihm unterhalten.

Daniel, du bist jetzt bereits 6 Wochen der letzten 2 Monate auf Mallorca, so viel wie noch nie zuvor. Wie gefällt dir deine neue „Heimat“?
Sehr gut, nur Heimatgefühle können leider noch nicht richtig aufkommen, weil mein 5-Monate altes Töchterchen „Julie“ mit Mama Zuhause auf meine Wiederkehr wartet. Potenzial zur Radfahrerheimat hat die Insel aber allemal, ein perfekteres Trainingsterrain kenne ich nicht.

Du fährst 2004 im neuen Team von Illes Balears-Banesto. Wie kam der Kontakt zu dieser Mannschaft zu Stande?
Für mich über das Telefon. Der Manager der Mannschaft rief mich an und innerhalb weniger Tage war alles unter Dach und Fach. Wie ich später erfuhr hatten sich viele Leute für mich eingesetzt. Von daher gilt mein Dank besonders Marcel Wüst, meinen ehemaligen sportlichen Leitern Juan Fernandez und Rudy Pevenage sowie auch der Crew der „Stada-Radsportakademie“ aus Bad Wildbad, die mich alle meiner neuen Mannschaft empfohlen hatten.

Ihr habt keinen potentiellen Toursieger in der Mannschaft, jedoch mit Mancebo, Lastras und Menchov starke Fahrer für die Rundfahrten im Team. Wie stark schätzt du die Mannschaft ein?
Wir sind alle super motiviert und der gute Start bei der „hauseigenen“ Rundfahrt – Balears-Challenge, hat das ja schon dokumentiert. Ich denke, die Mannschaft wird auch bei den Klassikern ein Wort mitreden können. In den großen Rundfahrten geht es sicher um Etappensiege und vielleicht auch um einen Podiumsplatz für Mancebo oder Menchov.

Und deine Aufgabe in dieser Mannschaft? Wie sieht dein Programm aus?
Zunächst bin ich im engeren Kreis der Fahrer, die für die Tour de France in Frage kommen. Das freut und motiviert mich. Der Tour ordne ich alles unter! Wenn ich dann, mit den bis dahin hoffentlich eingefahrenen Qualifikationen für die Olympischen Spiele, gut aus der Tour komme, würde ich gerne um Medaillen bei den Verfolgungswettbewerben in Athen kämpfen.

Du bist im Juni 2003 von Coast zu Bianchi gewechselt. Die Probleme von Coast sind bekannt. Hast Du mittlerweile alle Gehälter von Coast bekommen?
Genau genommen nein, aber das ist mein eigenes Verschulden. Die UCI (der internationalen Radsportverband) bezahlt die ausstehenden Gehälter aus einer Bürgschaft aus, die jedes Team am Anfang des Jahres hinterlegen muss. Ich hatte leider einen Anwalt mit der Abwicklung beauftragt, der sich dann aber nicht richtig mit den Formalitäten auskannte.
Alle Fahrer zu denen ich Kontakt habe, haben schon den Rest ihres Gehaltes bekommen, so dass es sich nun bestimmt auch bei mir nur noch um ein paar Tage handeln wird. Es trifft die meisten Rennfahrer schon hart, wenn sie sich für ihre Arbeitgeber fast die Lunge aus dem Leib fahren und dann mehrere Monate nicht bezahlt werden.

Wie hast du die Probleme mit Coast damals erlebt? Ist dies nicht sehr belastend für einen Rennfahrer?
Ja, es ist sehr belastend, zumal sich mit der Zeit natürlich auch die Frage nach der eigenen Existenz stellte. Ich bin seit einem halben Jahr stolzer Papa und da spürt man auch die Verantwortung nicht mehr nur noch sich selbst, sondern auch der Familie gegenüber.

Im vergangenen Jahr bist du die Tour zum ersten Mal gefahren was sicherlich etwas besonderes für einen Radprofi ist. Wie hast du die Tour de France erlebt?
Die Tour hat mich um viele Erfahrungen reicher, aber sicherlich auch um ein- zwei Jährchen älter gemacht. Ich bin in Leistungsbereiche vorgestoßen, die ich mir nie hätte vorstellen können, und ich habe Erschöpfungszustände erlebt, die ich mir selbst jetzt nur noch schwer wieder vor Augen führen kann.
Die Kulisse der Tour ist einmalig und die Begeisterung der Zuschauer schwappt schnell auf die Rennfahrer über. Man kommt sich manchmal vor, als würde man im Auge eines Tornados fahren, weil alles um einen herum tobt.

Dein Teamkollege von 2003, Jan Ullrich, beendete die Tour als Zweiter. Hätte er deiner Meinung nach die Tour gewinnen können, wenn er auf der Etappe nach Alpe d’Huez nicht krank gewesen wäre?
Ja, ich meine das hätte er. Jans Beine waren meiner Meinung nach besser als Armstrongs, aber es war auch so schon gigantisch, wie Jan überhaupt zur seiner Form und dieser Leistung zurück gefunden hat.

Nach der Tour bist du noch die Bahn-WM in Stuttgart gefahren und dort gab es einen Eklat um den „Deutschen Vierer“, der abgemeldet wurde. Belasten dich die Auswirkungen noch sehr?
Ja, leider!
Niemand von den Sportlern wollte, dass der Vierer abgemeldet wird, aber es gab Ungereimtheiten in der Nominierung, die wir im Vorfeld geklärt haben wollten. Das Resultat, die Viererabmeldung, war schockierend, aber ich hoffe inzwischen darauf, dass wir Sportler untereinander zu einem Weg zurückfinden, der uns zu Höchstleistungen führt und auch, dass wieder ein normaler Umgang mit der Verbandsspitze möglich wird, damit nicht mehr über Anwälte kommuniziert werden muss.

Daniel BeckeWas steht nun als nächstes für Dich an?
Zunächst das Qualifikationsrennen am 10. Februar auf der Bahn in Frankfurt/Oder. Danach ist ein Bahn-Weltcup in Moskau, bei dem ich mich für den Fall der erfolgreichen Teilnahme vorher in Frankfurt, international beweisen kann, um mich für Olympia zu qualifizieren.
Danach geht es zurück auf Spaniens Landstraßen. Die ersten Rennen werden „Trofeo Luis Puig“ und die „Valencia Rundfahrt“ sein.

Daniel, vielen dank für das ausführliche Interview und viel Erfolg!

Ich bedanke mich auch, vor allem für den vorzüglichen Service von Luxcom während meines Trainingsaufenthaltes auf Mallorca!
Wer möchte, kann sich ja auf meiner Homepage www.danielbecke.de ein wenig auf dem Laufenden halten.

Viel Spaß allen, beim Radfahren auf der Insel!

Euer Daniel

Zurück zu den Interviews