Fränk SchleckFränk Schleck fuhr im Jahre 2003 eine beachtliche erste Saison als Radprofi. Nach drei Saisons als U23 Fahrer bot ihm Bjarne Riis im Dezember 2002 einen Vertrag als Berufsfahrer an. In seiner ersten Saison als Radprofi fuhr er bereits so wichtige Rennen wie Paris-Nizza, die Tour de Romandie, Tour de Suisse, Friedensfahrt, Amstel Gold Race, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Mailand-Turin, Lombardei-Rundfahrt sowie die Spanien-Rundfahrt. Anlässlich seines Trainingslagers haben wir uns mit ihm unterhalten.

Hättest du dir vor deiner ersten Saison die guten Resultate erwartet die du eingefahren hast?
Nein, sicher nicht. Ich wollte eigentlich meine Arbeit als Neo-Profi machen und so viel wie möglich dazu lernen. Vor allem im Bereich der Taktik und das Mannschaftsdienliche, waren vor der Saison wichtige Punkte für mich gewesen. Es lief dann besser als erwartet. Bjarne Riis hat Ende der Saison viel Vertrauen in mich gehabt, wofür ich mich mit guten Resultaten bei ihm bedankt habe. Schließlich konnte ich in meiner ersten Saison mehr als 180 UCI-Punkte einfahren.

Du bist vor allem im September und Oktober sehr gut in Form gewesen.
Leider musste ich bei der Spanien-Rundfahrt nach 10 Tagen wegen einer Lebensmittelvergiftung aufgeben. Nach 2 Tagen im Krankenhaus, habe ich insgesamt eine Woche nicht trainiert. Dadurch habe ich mich gut erholt und bin ein starkes Saisonende gefahren. Und dabei hatte ich nach der Vuelta gedacht, dass die Saison bereits zu Ende wäre. Doch Bjarne Riis hat mich nochmals motiviert und täglich mit mir telefoniert. Somit wurde ich 5. Beim Giro di Lucca, 5. bei Mailand-Turin und 14. bei der Lombardei-Rundfahrt. Hätte ich hier am Schluss nicht für die Mannschaft arbeiten müssen, wäre ich um den fünften Platz gefahren.

Wie kam der Kontakt zu CSC zu Stande?
Im Jahre 2001 fuhr ich die letzten zwei Monate als Gastfahrer bei Festina die mir einen Vertrag angeboten hatten. Zwei Wochen später bekam ich die Nachricht, dass die Mannschaft schließen würde. Während der Saison 2002 fuhr ich für ein französisches U23-Team. Ich hatte in dieser Saison kein einziges Rennen gewonnen, jedoch sehr viele Plazierungen unter den ersten fünf eingefahren. So wurde Bjarne Riis auf mich aufmerksam. Ende 2002 bin ich als Gastfahrer für CSC gefahren, wobei ich im positiven Sinne auf mich aufmerksam machen konnte. Das Problem bestand dann darin, dass man bei CSC nicht wußte ob Jan Ullrich zu uns kommen würde und falls er kommen sollte, wie viele Fahrer er mitbringen würde. Am 5. Dezember bekam ich einen Anruf von Bjarne Riis und 2 Tage später war ich auf Lanzarote im Trainingslager wo ich meinen Vertrag unterschrieben habe.

CSC gehört zu den besten Mannschaften was die Organisation betrifft, wie empfindest Du dies als Fahrer?
Wir haben mit Bjarne Riis einen tollen Manager der die Fäden in der Mannschaft zieht. Egal was bei uns auf dem Programm steht, es ist immer alles perfekt bis in das letzte Detail organisiert. Neben den Fahrern sind noch 47 weitere Personen bei CSC angestellt die dies alles möglich machen.

Die Mannschaft hat mit Tyler Hamilton ihren Kapitän verloren. Welchen Eindruck hat dieser Fahrer auf Dich hinterlassen?
Ich habe nach wie vor Kontakt zu ihm. Vergangene Saison haben wir uns oftmals das Zimmer während den Rennen geteilt. Tyler ist ein ruhiger Mensch, ein hundertprozentiger Profi der trotz seinen ausgezeichneten Resultaten stets mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Bei ihm habe ich gelernt ruhig zu bleiben. Er respektiert und hört sich die Meinung von jedem einzelnen an, ob Neuprofi oder einen erfahrenen Fahrer, er behandelt alle gleich.

Wie schätzst du die Mannschaft für die Saison 2004 ein?
Wir haben mit den Neuzugängen Bartoli, Basso, Voigt, Jaksche und Julich die Abgänge wettgemacht. Ich schätze unsere Mannschaft was die Eintagesrennen betrifft, stärker als im Vorjahr ein. Für die Rundfahrten haben wir mit Basso, Sastre, Luttenberger und Jaksche Fahrer die in der Gesamtwertung eine gewichtige Rolle spielen können.

Es wurden 14 Fahrer für die Tour de France vorselektioniert wozu du auch gehörst. Rechnest du dir eine Chance aus an der Tour teilzunehmen?
Neben den erwähnten Leadern werden sicherlich 2-3 dänische Fahrer in der Mannschaft stehen. Ich mache mir natürlich Hoffnung, weiß jedoch auch, dass diese nur gering ist.

Fränk SchleckWie lauten deine persönlichen Ziele für diese Saison?
Ich möchte natürlich noch bessere Resultate als in der vergangenen Saison einfahren. Sollte dies mir gelingen wäre ich sehr zufrieden. Nach dem Krafttraining im Winter, fühle ich mich stärker. Vor allem am Berg kann ich größere Gänge fahren. Bei Paris-Nizza möchte ich zum ersten Mal schnell fahren. Weitere wichtige Rennen wird das Criterium-International, die Luxemburg-Rundfahrt sowie die Friedensfahrt sein. Mit etwas Glück hätte ich letztes Jahr eine Etappe bei der Friedensfahrt gewinnen können, dieses Rennen liegt mir.

Fränk, eine letzte Frage. Wie gefällt Dir Mallorca?
Ich bin ja bereits mehrmals zum Trainieren hier gewesen. Hier findet man Top Bedingungen vor. Wenig Verkehr, ein gutes Straßennetz, man kann flach oder in die Berge fahren. Nicht umsonst kommen so viele deutsche Radprofis zum trainieren nach Mallorca, ich finde es wirklich optimal.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die neue Saison.

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