Kim KirchenZwei Tage nach seiner Rückkehr aus dem Giro d’Italia haben wir uns mit Kim Kirchen unterhalten. Kim hat dieses Jahr seinen ersten Giro bestritten und diesen auf dem 29. Platz beendet. Seine Mannschaft hat es immerhin auf 8 Etappensiege gebracht. Unter gewissen Umständen wäre ein Platz unter den ersten 10 in der Gesamtwertung für Kim drin gewesen.

Kim, wie fühlst du dich zwei Tage nach dem Giro?
Ganz gut, ich bin heute schon wieder 4 Stunden trainieren gefahren. Ich merke zwar, dass ich im Kopf leer bin, merke jedoch auch dass ich viel Druck unter den Pedalen habe.

Bist du mit deiner Leistung über drei Wochen zufrieden?
Ja, sehr sogar. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so gut abschneiden würde. Ich habe mich ausser auf einer Bergtappe (wo er 36 Minuten auf den Sieger verlor) täglich gut gefühlt. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich während drei Wochen so gut regeneriere. Meine Form und mein Gewicht waren vor dem Giro gut gewesen. Ich habe nur 0,5 kg während dem Giro abgenommen. Hätte ich auf der 18. Etappe keine 36 Minuten verloren und auf der 7. Etappe nicht auf Dario Frigo warten müssen wäre ein Platz unter den ersten zehn möglich gewesen. Während der ersten Woche musste ich für Petacchi arbeiten, erst danach wurde ich protegiert.

Warum hast du soviel Zeit auf der 18. Etappe verloren?
Mein Rücken war total blockiert. Ich habe von Zeit zu Zeit Probleme mit meinem Ischiasnerv Leider ist unser Osteopath gerade an diesem Tag nicht bei uns gewesen. An dem Tag war ich heilfroh als ich im Ziel war. Ich habe dann intensiv Dehnungsübungen absolviert und wurde ausgiebig massiert wodurch Besserung eintrat. Am nächsten Tag bei der Bergetappe ging es dann wieder gut. Hier lief ich nach 239 km nur eine Minute nach dem Tagessieger Simoni ein.

An dem berüchtigten Monte Zoncolan kamst du zeitgleich mit Aitor Gonzalez und vor deinem Kapitän Dario Frigo ins Ziel.
Ich hatte wirklich gute Beine an diesem Tag. Ich hätte nicht gedacht, dass ich an so einem steilen Berg mit den besten hochfahren würde. Immerhin bin ich am Schlussanstieg mit einer Übersetzung von 39×28 gefahren.

Du hast dich bei den beiden Zeitfahren von deiner besten Seite gezeigt. Wie kommt diese Steigerung zustande?
Beim Zeitfahren um Bozen wollte mich testen. Ich hatte am Vortag sehr gute Beine gehabt. Die ersten km habe ich alles gegeben. Da es gut lief bin ich so weiter gefahren. Ein Zeitfahren ist immer schwer, der gesamte Körper schmerzt unheimlich. Ich kam eine Sekunde hinter Simoni, jedoch vor Garzelli, Rumsas, Casagrande, Noe und Pantani ins Ziel. Ich bin mittlerweile 24 Jahre und habe natürlich mehr Kraft um die ganz grossen Übersetzungen zu treten.

Eure Mannschaft hatte sich sicherlich mehr von den beiden Kapitänen Dario Frigo und Aitor Gonzalez erwartet.
Ja, ganz sicher. Dario ist bei den vorherigen Rennen zu oft um den Sieg mitgefahren. Dafür hat er beim Giro bezahlt. Aitor kam mit 2 Kilo Übergewicht an den Start. In diesem Fall ist es unmöglich den Giro zu gewinnen. Wir haben jedoch 8 Etappen gewonnen, unser sportlicher Leiter war dennoch zufrieden mit unserem Abschneiden.

Wie sieht dein Programm für die kommenden Wochen aus?
Ich fahre als nächstes Rennen die Tour de Suisse. Im Juli mache ich dann eine Pause. Ich denke, dass ich bei den meisten Klassikern im August an den Start gehen werde.

Kim, wir bedanken uns für dieses Gespräch und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg bei den kommenden Rennen.

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