Oscar FreireAnlässlich der Mallorca-Rundfahrt haben wir uns mit keinem Geringeren als dem dreimaligen Weltmeister Oscar Freire unterhalten. Er spricht kritisch über die neue Pro-Tour, die Mallorca-Rundfahrt sowie seine Ziele für die Saison 2005.

Oscar, zwei Siege bei der Mallorca-Rundfahrt, ein guter Start in die neue Saison.
Ja, es lief sehr gut. Es war jedoch nicht einfach, aber das Niveau der Rundfahrt war nicht so hoch wie in den vergangenen Jahren. Die Mallorca-Rundfahrt hat die ersten negativen Erscheinungen der Pro-Tour zu spüren bekommen. Es gab im Vergleich zu den vergangenen Jahren einen großen Unterschied bezüglich der Teilnahme an ausländischer Mannschaften, was der Mallorca-Rundfahrt geschadet hat.

Es hat den Anschein, dass die neue Pro-Tour dir nicht besonders zusagt?
Nein, im Moment finde ich noch keinen Gefallen an dem neuen System. Es hat den Anschein, dass wir einen Schritt zurück gemacht haben, und die Mallorca-Rundfahrt zahlt den Preis hierfür. Der Unterschied zwischen einer Pro-Tour-Mannschaft, einer Mannschaft aus der zweiten Liga und einer Continental-Mannschaft ist sehr groß. Hier sind ca. 60 Neuprofis am Start, viele haben nicht das Niveau eines Berufsfahrers. Es ist in meinen Augen keine gute Idee das Feld so zu mischen. Im Rennen macht sich dies sehr stark bemerkbar.

Du bist jedoch einer der Favoriten die Pro-Tour zu gewinnen.
Das weiß ich nicht. Mit meinen Qualitäten kann ich Rennen gewinnen. Es wurde jedoch eine Pro-Tour ins Leben gerufen mit zu vielen negativen Nebenerscheinungen.

Das ist ja kein guter Beginn für die Pro-Tour.
Man hat uns nicht um unsere Meinung gefragt. Wir sind die Hauptdarsteller dieses Sports und unsere Meinung zu dem Ganzen interessiert niemanden. Wir haben genug davon und haben uns bei der UCI beschwert.

Die Weltmeisterschaft findet diese Saison in Madrid statt. Wird dieses Rennen dein wichtigstes Ziel dieser Saison sein?
Auf jeden Fall. Die Weltmeisterschaft ist das Rennen, das mir in meiner Karriere am meisten gegeben hat als Rennfahrer.

Die Strecke scheint ganz auf dich zugeschnitten zu sein.
Nein, leider nicht. Die Strecke ist zu einfach für mich. Mir würde es besser gefallen, wenn die Strecke mehr Schwierigkeiten aufweisen würde, aber ich habe die Möglichkeit meinen Titel zu verteidigen.

Welches sind deine Ziele vor der Weltmeisterschaft im September?
Die Frühjahrsklassiker und die Tour de France.

Bei den Klassikern wird Alejandro Valverde wohl ein großer Konkurrent für dich werden.
Hier auf Mallorca ist er sehr stark gefahren. Er ist allen anderen überlegen gewesen. Er hat noch keine besonderen Erfahrungen bei den Klassikern gesammelt, hat jedoch eine sehr starke Mannschaft an seiner Seite. Er ist ein sehr guter Fahrer, der immer vorne im Feld fährt und viel angreift. Er ist ein sehr ernst zu nehmender Konkurrent.

Ist Paulo Bettini bei den Klassikern nicht stärker als Valverde einzuschätzen?
Er ist ein sehr guter Rennfahrer, der beste, was die Eintagesrennen angeht. Er fährt ständig offensiv, greift viel an. Zurzeit einer der besten Rennfahrer im gesamten Feld.

Oscar FreireMöchtest du diese Saison nicht unbedingt eine gute Tour de France fahren?
Ich werde dieses Mal zum dritten Mal an den Start der Tour gehen und denke nicht, dass ich bei meinen beiden vorherigen Starts schlecht gefahren bin. Ich habe bereits eine Etappe bei der Tour gewonnen. Mir ist schon klar, dass in Spanien ein gutes Resultat in der Gesamtwertung mehr beachtet wird. Dies ist jedoch nicht mein Ziel.

Oscar, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die kommende Saison

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