Sebastian LangSebastian Lang gehört mit 24 Jahren zu einem der hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrer in Deutschland. Nachdem er im Jahre 2001 bei der Weltmeisterschaft in Portugal die Silbermedaille im Zeitfahren gewann bekam er einen Vertrag als Radprofi beim Team Gerolsteiner. In seinem ersten Profijahr gewann er zwei Etappen bei der Rheinland-Pfalz Rundfahrt und wurde aufgrund seiner guten Leistungen für die Weltmeisterschaften in Zolder berufen. Im vergangenen Jahr hat er wieder mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Er gewann den Prolog der Rhodos-Rundfahrt, die Dänemark-Rundfahrt sowie das Paarzeitfahren in Karlsruhe gemeinsam mit Michael Rich. Auch bei der Weltmeisterschaft in Kanada fuhr Sebastian für das deutsche Team. Anlässlich seines Trainingslagers bei uns haben wir uns mit ihm unterhalten.

Sebastian, du bist jetzt fast drei Wochen auf Mallorca um die neue Saison vorzubereiten. Wie sieht dein Trainingsablauf in so einem Trainingslager aus?
Gegen 08:00 Uhr stehen wir auf, frühstücken gemeinsam bevor wir um 10:00 Uhr zum Training starten. Im Dezember fahren wir im Schnitt 160 km täglich. An den Tagen wo wir durch die Berge fahren werden es auch mal nur 140 km. Dagegen fahren wir um die 200 km wenn wir uns flache Strecken aussuchen. Gegen 16:00 Uhr sind wir meistens wieder im Hotel, danach hänge ich meistens am Computer oder entspanne. Am Abend essen wir gemeinsam, man unterhält sich über Gott und die Welt. Knetsch, knetsch eben………..Gegen 23:00 Uhr gehen die Lichter dann bei uns aus.

Mit welchen anderen Profis trainierst du hier auf Mallorca?
In diesem Trainingslager haben wir mit Erik Zabel, Jan Schaffrath, Thomas Ziegler, und Robert Förster trainiert. Natürlich fahre ich auch ab und zu mit meinen ehemaligen Teamkollegen von TEAG Team Köstritzer mit. Auf Mallorca findet man immer eine Gruppe zum trainieren.

Sebastian LangWie erklärst du dir deinen guten Einstand im Jahre 2002 bei den Berufsfahrern ? Viele junge Fahrer haben Schwierigkeiten sich an den Rhythmus der Profis zu gewöhnen. Du hast in deinem ersten Profijahr sofort gute Resultate erzielt.
Ich denke, dass es damit zu tun hat wie lange ich im U 23 Bereich gefahren bin. In dieser Alterklasse fährt man neben den kleineren Rennen auch ab und zu bei den Profis mit. So schnuppert man schon mal rein und wird Tempofester. Zudem bin ich bis zum letzten Jahr in der U23 Mannschaft TEAG Team Köstritzer geblieben und wurde hier mit viel Mühe und Arbeit herangeführt und aufgebaut. So habe ich von Jahr zu Jahr mehr trainiert, wobei sich meine Renntage kontinuierlich gesteigert haben und ich auch andere Rennen gefahren bin. Mit dieser Mannschaft habe ich viel erreichen können und gelernt was es heist Mannschaftsdienlich zu fahren. Die zwei Siege bei der Rheinland-Pfalz Rundfahrt waren eine Bestätigung der langen und harten Arbeit an mir selbst. Ich bin jemand der viel von sich verlangt, einer der viel trainieren muss um besser zu werden.

Ein erfolgreiches zweites Jahr bei den Profis liegt hinter dir. Wie siehst du die Saison 2003 im Rückblick?
Ein phantastisches Jahr liegt hinter mir und ich bin vor allem dankbar, dass sich das harte Training und viele Zeit die ich meinem Beruf gewidmet habe, auch gelohnt haben. So lange von der Familie, Freundin und Freunden getrennt zu sein ist der hohe Preis den ein Radprofi zahlen muss. Ich habe dies jedoch mit schönen Erfolgen zurück bekommen. Ohne Familie, Freundin und Freunde wäre ich nicht derjenige der ich jetzt bin. Dafür danke ich allen sehr. Zum anderen habe ich auch in der Saison 2003 wieder vieles dazu gelernt und gemerkt, dass man als Radprofi lange dabei sein muss um ganz vorne dabei sein zu können.

Hattest du dir vor der Saison erhofft, dass du solche guten Resultate erzielen könntest?
Sebastian LangWenn ich ganz ehrlich bin, habe ich nicht daran gedacht. Nach zwei Etappensiegen bei der Rheinland-Pfalz Rundfahrt hatte ich eigentlich gedacht, dass mein zweites Jahr noch schwerer werden würde und ich die gezeigten Leistungen nicht bestätigen könnte. Dennoch habe ich hart an mir gearbeitet, fleißig trainiert und bin immer mit dem Ziel in die Rennen gegangen gut zu fahren. Das wichtigste war jedoch für mich weiterhin den Top-Fahrern ein guter Helfer zu sein. Das möchte ich auch weiterhin bleiben, denn nur so gelange ich zu weiteren Erfolgen.

In welchen Bereichen musst du dich noch verbessern?
Wo sind momentan deine Schwachpunkte?

Vor allem möchte ich meine Schwächen am Berg noch besser in den Griff bekommen. Mit 187cm Körpergrösse ist es nicht immer einfach bei den Bergspezialisten dran zu bleiben. Möchte ich jedoch in der Zukunft weitere Rundfahrten gewinnen sollte ich dies auch halbwegs können. Es gibt noch andere Rennen neben der Dänemark-Rundfahrt wo es auch bergauf geht.

Wie sieht dein Programm für 2004 aus? Denkst du eine große Rundfahrt wie den Giro oder die Tour de France zu bestreiten?
Auf jeden Fall ist mein Ziel die Teilnahme an einer grossen Rundfahrt. Nach dem letzten Jahr habe ich selbst gesehen, dass nach 10 Tagen Rennen meine Leistung immer noch stabil war und ich mich weiterentwickelt habe. Bei einer drei-wöchigen Rundfahrt wird der Sprung vielleicht noch grösser sein. Welche es der beiden sein wird hängt mehr oder weniger von mir ab. Denn schließlich kommt man nur und sollte nur, mit guter Form zur Tour de France fahren.

Welcher Berufsfahrer hat dich bis zum heutigen Tag am meisten beeindruckt?
Das ist und bleibt vorerst Miguel Indurain.

Sebastian, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen dir viel Erfolg für die Saison 2004.

Ich bedanke mich für das entgegengebrachte Interesse.

Ciao Seppel

Weitere Informationen über Sebastian Lang findet ihr unter www.Sebastian-Lang.de

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