Torsten NitscheAm 18. Februar brach für Torsten Nitsche eine Welt zusammen. Die Ärzte stellten bei ihm einen angeborenen lebensgefährlichen Herzfehler fest. Dies bedeutet natürlich das Ende seiner noch jungen Karriere. Nachdem er die letzten drei Jahre im italienischen Saeco-Team unter Vertrag stand sollte er in diesem Jahr für Gerolsteiner an den Start gehen. Am 27. Februar wird Torsten am Herzen operiert. Wir haben uns mit ihm über sein Schicksal unterhalten.

Torsten, was ist genau mit Deinem Herzen los?
Ich leide unter einer angeborenen sehr seltenen Herzkrankheit. Diese Krankheit ist jetzt bei mir mit 25 Jahren ausgebrochen. Da die Krankheit tödliche Folgen für mich haben kann muss ich schweren Herzens meine Karriere als Radprofi beenden. Ich habe jedoch noch Glück im Unglück gehabt, dass sich die Krankheit bemerkbar gemacht hat. Andernfalls wäre ich vielleicht eines Tages vom Rad gefallen und es wäre zu spät gewesen.

Wie hat sich diese Krankheit bei Dir bemerkbar gemacht?
Bei der Quatar-Rundfahrt im Januar bekam ich Herzrasen und hatte auf einmal einen Puls von 240 worauf ich das Rennen aufgab. Ein paar Tage später war ich wieder mit der Mannschaft auf Mallorca. Beim Training hatte ich keine Probleme, völlig normale Pulswerte. Aus reiner Vorsichtsmassnahme habe ich das Trainingslager abgebrochen und habe mich ich in Leipzig bei einem Herzspezialisten untersuchen lassen. Man hat dort insgesamt drei Tests mit mir durchgeführt. Nach dem dritten Test stand die erschütternde Diagnose fest.

Besteht keine Hoffnung mehr diese Krankheit zu besiegen?
Ich habe mir unabhängig zu den Tests in Leipzig die Meinung von zwei weiteren Herzspezialisten eingeholt. Alle drei Spezialisten die ich besucht habe waren der gleichen Meinung.

Hast Du denn bereits vorher Probleme mit dem Herzen gehabt?
Nicht das geringste Problem. Bei unseren beiden letzten Trainingslagern im Dezember und Januar auf Mallorca sind wir oftmals 7 Stunden auf dem Rad unterwegs gewesen. Genau wie in den Vorjahren habe ich keine Beschwerden gehabt.

Diesen Winter bist Du sehr motiviert für die neue Saison gewesen.
Ja, auf jeden Fall. Nach drei Jahren bei Saeco hat Gerolsteiner mich geholt um die Sprints für Olaf Pollack anzufahren. Nach der Spanien-Rundfahrt im letzten Jahr, wäre ich dieses Jahr wohl bei der Tour de France dabei gewesen um Olaf zu unterstützen. Die Tour ist natürlich das Grösste für einen Rennfahrer. Gerade dieses Jahr wo die Tour ihr hundert jähriges Bestehen feiert wird dies bestimmt ein ganz besonderes Ereignis. Dieser Traum ist jetzt geplatzt.

Was wird genau bei der Operation durchgeführt?
Mir wird ein Defilibrator eingesetzt. Dieser schaltet sich bei Herzrasen automatisch ein und wird weitere Attacken verhindern.

Kannst Du nach der Operation noch Sport treiben?
Auf jeden Fall, jedoch nicht mehr auf dem Niveau eines Berufsfahrers. Nach 15 Jahren als Radsportler muss ich jetzt mehrere Jahre abtrainieren. Ich möchte auf jeden Fall noch öfters auf dem Rad sitzen. Diesen Sport von heute auf morgen nicht mehr auszuführen wäre zu hart für mich.

Wie sieht Deine weitere Zukunft aus?
Erstmal möchte ich die anstehende Operation gut überstehen, alles andere sehen wir später. Vielleicht fange an zu studieren. Eventuell besteht auch die Möglichkeit bei Gerolsteiner tätig zu werden. Mal abwarten.

Lieber Torsten, ich bedanke mich für das Gespräch in dieser schweren Zeit für Dich. Unser gesamtes Team drückt Dir die Daumen für die Zukunft!

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