Radsportferien auf Mallorca – Strampeln statt stemmen.

Seit 1999 lotst ein luxemburgisches Unternehmen pedalierende Landsleute über die größte Balearen-Insel, die mehr bietet als die gängigen Klischees vom Ballermann und ewig scheinender Sonne.

Zwei Welten auf einer Fläche unwesentlich größer als Luxemburg. Das ist Mallorca, des Europäers liebste Ferieninsel. Eiland der Klischees und Kontraste. Denn die ausgedehnteste der vier Balearen-Inseln ist für alle da. Für Sonnenanbeter und Spaßsüchtige, die sich an unzähligen Stränden tummeln und die Amüsiermeile um den zum degenerierten zum Mittelpunkt ihres feucht-fröhlichen Urlaubsuniversums erkoren haben, ebenso wie für all jene, die mit dem Inselinneren die Ruhe eines gepflegten Landlebens, malerische Städtchen und idyllische Fincas assoziieren.

 

Schätzungsweise 20.000 Luxemburger ziehen Jahr für Jahr über Mallorca. Seit 1999 steigt die Zahl derer, die sich zu diesem Zweck in den Velosattel schwingen und über das gut ausgebaute Straßennetz strampeln, statt sich beim Leerschlürfen von Sangria-Bottichen und beim Bierkrug-Stemmen zu verlustigen, weiß Guy Schaltz aus eigener Erfahrung. Schließlich trägt der Geschäftsmann, wie sieben oder acht Konkurrenzfirmen, maßgeblich zum augenblicklichen Radsportferien-Boom auf der Insel bei. Der Name seines Unternehmens klingt wie eine sanfte Aufforderung, fast wie ein Befehl: LUXCOM. In Wahrheit kommen die Menschen aus freien Stücken und weil Guy Schaltz, Jahrgang 1964, in luxemburgischen Radsportkreisen kein Unbekannter ist. Als Junior und Amateur fuhr er anständige Resultate ein, bevor er ab 1988 elf Jahre lang in Diensten eines großen deutschen Ferienanbieters die Welt bereiste.

Selbstständig machte er sich, nachdem er den Erdenflecken entdeckt hatte, auf dem er künftig daheim sein wollte: Mallorca. Jene Insel, über die um 1925 die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein ihrem Kollegen Robert Graves schrieb: Du das Paradies ertragen kannst, dann komm hierher. Graves, der Brite, kam tatsächlich, verbrachte hier fast ein halbes Leben und notierte Sätze, die auch Guy Schaltz gewiss unterschreiben würde: In diesem Paradies veranstaltet Gruppen- und Geschäftsreisen sowie jeweils im Frühjahr und Herbst Radsportferien für jedermann. Letztere in enger Zusammenarbeit mit der (ULT), einer Kooperative mehrerer Reiseagenturen, die mit Marcel Gilles einen ausgewiesenen Radsport-Spezialisten zur Hand hat. Gilles erinnert sich genau, wie alles begann, damals, in den 80er Jahren, als zunächst Profis Mallorca als ideales Wintertrainingsterrain entdeckten. Später stießen Triathleten hinzu. Irgendwann kamen die ersten Hobbyfahrer, die es leid waren, bei Nebel, Nieselregen und Kälte an Mosel und Sauer entlang zu radeln und Radsportferien auf Mallorca geniessen wollten. Auf Mallorca lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: der Gesundheitsaspekt mit dem Erleben einer reizvollen Landschaft, die Erholung mit dem Kennenlernen balearischer Traditionen und Kultur. Auf den Touren durch das große mallorquinische Bilderbuch kann man für Momente sogar die Schattenseiten des mit dem hässlichen Wort der bedachten Ortes vergessen, an dem alles erlaubt scheint, solange es nur laut und derb ist.

Unterwegs zu verlockenden Dörfchen wie Fornalutx bekommt man nur wenige der 700.000 Einheimischen und der jährlich acht Millionen Touristen zu Gesicht. Auf den kurvigen Strecken durch die Sierra de Tramuntana im Nordwesten denkt man schwerlich an die Discopaläste und Bettenburgen am Arenal-Strand östlich der Hauptstadt Palma. Inexistent oder zumindest für die Dauer einer Rundfahrt verdrängt sind die häufig kritisierten Bausünden und sonstigen Auswüchse des Massentourismus, den die Mittelmeerinsel monopolisiert hat wie keine andere Ferienregion der Welt. Beim Pedalieren ist keine Rede von Landschaftszerstörung, Auszehrung der knappen Wasserresourcen und vom schnellen Wandel der bäuerlichen in eine Dienstleistungsgesellschaft. Verflogen sind die Gedanken an Teutonengrill, Bier- und Schinkenstraße, wenn einem im Surren der Speichen ein laues Lüftchen um die Ohren säuselt und einem im Februar der Duft von Abermillionen Mandelblüten in die Nase steigt …

Die Vorspiegelung einer heilen malloquinischen Welt ist freilich nicht Sache von Guy Schaltz und seiner Mannschaft. Zum persönlichen Service, der den Gästen geboten wird, gehören nicht nur die umfassende technische und medizinische Betreuung der Aktivurlauber, regelmäßige Kraftriegel, isotonische Getränke und täglich Bananen. Auch Sonderwünsche werden prompt erfüllt. Ein Besuch in der verwinkelten Altstadt von Palma, ein Ausflug ins Albufera-Feuchtgebiet bei Alcúdia, ein Abstecher auf einen der Golfplätze, ein unterhaltsamer Abend in der Son Amar-Show – alles kein Problem! Vor allem im Frühjahr, das im Tourismusjargon Vorsaison heißt, entfaltet die Insel ihren eigenen Zauber. 40 Prozent ihrer Fläche sind geschützt, trotz der brutalen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ist dies ein wahres Naturparadies geblieben. Der Baustopp für neue Privathäuser und die strengen Auflagen bei Hotelbauten zeugen vom Willen der Verantwortlichen, in Zukunft verstärkt auf Qualitätstourismus zu setzen und sich nach und nach vom Image des Billigurlaubsziels zu trennen. Dass der Ausbau der Infrastrukturen für Radsportferien und Wanderer ebenfalls Teil dieses Konzeptes ist, wird vor allem die etwas anspruchsvolleren Mallorca- Besucher sicher nicht grämen.

Reise-Infos
Die Frühjahrssaison 2002 für Radsportferien auf Mallorca dauert von Mitte Februar bis Mitte Mai. Um bestmögliche Qualität zu bieten, finden sich ausschließlich 4-Sterne-Hotels (wie das Viva Blue und das Viva Golf in Alcúdia und das El Cid an der Playa de Palma) im Radsport Mallorca-Programm. Diese Hotels sind optimal für Radsportfrien ausgerüstet und verfügen über Radkeller, Waschstationen, Werkstatt, Radvermietung und Radboutique. Ferner bieten die meisten Hotels während den Radsportferien großzügige Kinderermäßigungen sowie ganztägige Kinderbetreuung an. Die Preise pro Woche im Doppelzimmer inkl. Halbpension, Flüge, Betreuung vor Ort und Radsportpaket beginnen bei rund 23.000 Franken. Weitere Informationen sowie die Broschüre sind in allen ULT-Partnerreisebüros von Voyages Emile Weber, City Center Voyages Flammang, Voyages Demy Schandeler und CFL Evasion erhältlich.

 

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Text & Fotos: Georges Hausemer